Kiek mol an! – Käptn Kuddels Kolumne

Kiek mol - Käptn Kuddels Kolumne © Komm auf Kreuzfahrt

Kiek mol – Käptn Kuddels Kolumne © Komm auf Kreuzfahrt

Weniger ist Meer!

Dass ich am liebsten auf einem „sauberen“ Kreuzfahrtschiff fahren möchte, hatte ich Ihnen schon in meiner letzten Kolumne erklärt. Noch ist das in aller Konsequenz ja leider Zukunftsmusik. Aber die nächste Kreuzfahrt will schon bald gebucht werden. Und dann stellt sich wieder die Frage: Welches Schiff darf’s denn sein?

Buche ich lieber einen Luxusliner der neuesten Generation – oder doch eher einen bewährten Kutter mit Charme und Seele? Sie könnten jetzt natürlich einwenden, dass auch die neuen Schiff mit den Charaktereigenschaften aufwarten, die ich eben mit „Charme und Seele“ beschrieben habe – die man eigentlich aber nur schwer in Worte fassen kann. Ich habe da aber so meine Zweifel. Nennen Sie mich einen Romantiker alter Seebärenschule – aber nur mit dem Motto „Höher, größer, bunter“ entfacht man bei mir keine Schiffsliebe.

Nehmen wir zum Beispiel die Quantum of the Seas. Unsere Freunde von der Meyer Werft haben da wieder solide Arbeit abgeliefert, technisch gibt’s da nichts zu meckern. Aber bei der Einrichtung des Schiffes muss jemand von der Angst getrieben gewesen sein, dass eine Schifffahrt unheimlich langweilig werden könnte. Also packte man auch einen Autoscooter, einen Fallschirmsimulator, eine Roboterbar und einen riesigen Schwenkarm mit Aussichtskuppel mit an Bord. Größtmögliche Ablenkung von allem, was nach Meer duftet oder wie Weite aussieht. Finden Sie da mal einen Platz, der das Zeug zum Lieblingsplatz hat. Wo sie sich zurückziehen und auf die See blicken können. Wer nicht gerade eine Balkonkabine gebucht hat, kann lange suchen. Selbst das Pooldeck ist regelrecht eingequetscht zwischen den ganzen Attraktionen und so jeglichen Flairs beraubt. Sail-away-Partys haben dort in etwa denselben Wohlfühl-Faktor wie eine Möbelhaus-Eröffnung in Grevenbroich.

Ganz ehrlich: Weniger ist manchmal mehr. Hier also: mehr Meer. Mich stören gar nicht die Menschenmengen. Nicht die zweifelsohne mächtige Optik eines Mega-Baus. Und ich muss auch nicht auf einen Uralt-Dampfer gehen, der mir keinen Zufluchtsort namens Balkonkabine anbietet. Aber ich möchte merken, dass ich auf einem Schiff bin. Vorne im Wind stehen und auch mal die Gischt spüren. Hinten unter freiem Himmel sitzen und mit den Wellen auch meine Gedanken in die Ferne schicken. Und das gelingt mir halt auf einem schwimmenden Rummelplatz nicht so leicht. Dafür brauch ich ein Schiff und dann vielleicht noch ein bisschen mehr.

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